But_Gesch_OT But_Gem_Bildern But_weitere_Ortsans

Über Burgen und Adelsgeschlechter

Artikel von http://www.fraenkischer-tag.de vom 10.04.2003

Einst stolze Burgen und kühne Adelsgeschlechter
Günter Lipp bei heimatkundlichem Gesprächskreis über Ritter von Alten-, Lichtenstein und Raueneck

Pfarrweisach. „Stehen Burgen stolz und kühn, ihre Dächer sind verfallen, und der Wind streicht durch die Hallen, Wolken ziehen darüber hin.“ Diese Zeilen aus dem deutschen Volkslied „An der Saale hellem Strande“ spiegeln eine Situation haargenau wider: die der Burgen Altenstein, Lichtenstein und Raueneck. Beim heimatkundlichen Gesprächskreis referierte Kreisheimatpfleger Günter Lipp über die ersten und letzten Ritter der drei sagenumwogenen Ruinen.
Über 45 Zuhörer freute sich der Vorsitzende des Heimatvereins Gerhard Hufnagel am Montagabend. Fast doppelt so viele Interessierte wie bei den bisherigen Gesprächskreisen hatten den Weg nach Pfarrweisach in die Gaststätte Eisfelder gefunden. Hufnagel war sich sicher, dass daran das Thema „schuld“ gewesen sei.
Man kenne zwar die heimischen Hügel, Burgen und Wappen, aber von ihrer Geschichte meist wenig, so der Vorsitzende. Hier sollte der Vortrag des Kreisheimatpflegers anknüpfen und erklären wann die ersten Ritter der Adelsgeschlechter auftauchten, wann sie ihre Burgen erbauten, wann sie ausgestorben und was die heimischen Adeligen bewirkten.

„An der Saale ...“
Zu Beginn seines Vortrages wies Günter Lipp auf das Volkslied „An der Saale hellem Strande“ hin, das seiner Meinung nach, in seinen Versen die Situation der drei heimischen Burgen beschreibt.
Aber die Frage sei, was nun „der erste Ritter“ überhaupt bedeute? Der erste sei nicht der erste überhaupt, sondern der erste, der schriftlich erwähnt und dessen Linie dann lückenlos weitergeführt wurde.
Das gleiche gelte für den „letzten Ritter“. Wenn damals der letzte seines Adelsgeschlechts starb, wurde an seinem Grab sein Schild mit seinem Wappen über dem Knie zerbrochen und ihm ins Grab nachgeworfen, oder sein Wappen wurde in der Kirche auf dem Kopf aufgehängt. Ein Symbol dafür, dass diese Linie ausgestorben war.
Schwierig war es, den ersten der Altensteiner Ritter mit Belegen ausfindig zu machen. Erst letztes Jahr hatte die Jahreszahl 802, die in Schenkungen aufgetaucht war, zu einer 1200-Jahr-Feier gereizt.
Doch diese Zahl war sehr zweifelhaft, da der Name „Stein“ in der damaligen Zeit ein Name wie die heutigen „Müller“ oder „Maier“ war. Das heißt, er war ein häufig auftretender Name, dessen Träger aber nicht unmittelbar etwas miteinander zu tun hatten, geschweige denn miteinander verwandt waren.
Lipp fuhr weiter, dass es außerdem mehrere Ortschaften mit dem Namen „Altenstein“ gab. Das bekannteste Beispiel sei das Altenstein in Thüringen, bei dem Luther auf seinem Weg auf die Wartburg überfallen wurde.

Urkunde von 1178
Doch die „von Stein“, die mit dem hiesigen Altenstein verwandt sind, wurden erstmals 1178 als Zeugen in einer Urkunde benannt. 1225 nannte sich die Familie dann „Stein von Altenstein“.
Auf dem Höhepunkt der Macht befand sich das Adelsgeschlecht um 1500. In dieser Zeit hatten sie auch das Hochgericht inne, was bedeutet, dass die „Stein von Altenstein“ Verbrecher hängen und köpfen lassen durften.
Im Jahre 1530 wurde die Familie evangelisch. Als einige Jahre später Hannibal Stein von Altenstein wieder zum katholischen Glauben konvertieren wollte, ließ ihn seine Familie für verrückt erklären und ihn entmündigen, erklärte Lipp.

Niedergang
Ab 1760 stellte sich der langsame Niedergang der Familiendynastie ein. 1695 waren sie zwar noch Freiherren, doch der „Uradel“ hatte gemerkt, dass der übrige Adel sich langsam aber sicher auf das gleiche Level der Steins von Altenstein begibt. Im Jahr 1703 sind sie dann nach Pfaffendorf umgezogen.
1817 erlangte ein Stein noch einmal größere Bekanntheit: Karl von Stein wurde preußischer Kultusminister.
Eigentlich ging man bisher davon aus, dass der letzte männliche „von Altenstein“ 1859 und die letzte weibliche 1875 verstarb. Die letzten Adeligen „von Altenstein“ liegen auf dem Pfaffendorfer Friedhof.
Das Erbe ging in Rotenhansche Hand über. 1972 ging dann Altenstein gemeinsam mit Lichtenstein für jeweils eine symbolische Mark vom Landkreis Ebern an den Landkreis Haßberge.

Überraschende Anfrage
Es geschah auch etwas, das keiner erwartet hatte: 1970 bekam der Eberner Bürgermeister einen Brief aus dem belgischen Brüssel von einer gewissen Baronin Gisela Stein von Altenstein. Darin äußerte die ältere Dame den Wunsch, noch einmal den Ursitz ihrer Familie zu besuchen. Gemeint war die Ruine Altenstein. Überrascht von dieser Nachricht wurden Nachforschungen betrieben und herausgefunden, dass tatsächlich ein Ast der „von Altenstein“ nach Belgien übersiedelte. Die Dame besuchte die Heimat ihrer Ahnen und verstarb um 1975 in Brüssel als die wirklich letzte der Familie der Stein von Altenstein.
Es wird davon ausgegangen, dass die Stein „von Altenstein“ im Ursprung nach mit der Familie „von Lichtenstein“ verwandt waren. Nicht zuletzt weil sich der Vater des ersten in einer Urkunde auftauchenden „von Lichtenstein“, Degen von Lichtenstein, nur „von Stein“ nannte.
So ist es wahrscheinlich, dass die Burg in Lichtenstein zwischen 1181 und 1215 von einem Zweig des Adelsgeschlechts von Altenstein gebaut wurde. Die enge Verbindung weisen nicht zuletzt die Wappen der Familien auf, deren Helmzierden identisch sind.
Die Lichtensteiner mussten auch schlechte Zeiten überstehen, 1525 verlor die Familie ihre Burg. Circa um 1550 jedoch waren die „von Lichtenstein“ wieder auf der Höhe ihrer Macht angelangt.

Finanziell übernommen
Einer der bekanntesten aus der Familie war Erhard von Lichtenstein, der eine Menge Geld an die Schweden schickte, damit Würzburg nicht geplündert wurde. Leider übernahm er sich finanziell damit, so dass die folgenden Generationen noch an seiner Großzügigkeit zu knausern hatten.
Im Jahre 1693 stand die Dynastie nur noch „auf zwei Augen“ wie Günter Lipp erklärte. Bei einem Reitunfall kam das noch junge Familienoberhaupt ums Leben und ließ seine Frau ohne Kinder zurück.
Doch zum Glück war diese schwanger. Die Baronin versprach eine Kirche zu stiften, wenn ihr ungeborenes Kind ein Sohn werde und somit den Familiennamen weitergeben könnte. Und so geschah es, die Witwe schenkte einem Sohn das Leben und ließ, mit etwas Verspätung allerdings, die Lichtensteiner Kirche bauen.

Der Theaterbaron
Einer der schillernsten Persönlichkeiten derer „von Lichtenstein“ war allerdings der „Theaterbaron“ Carl August Julius Otto Freiherr von Lichtenstein (1767 bis 1845).
Als einziger fränkischer Ritter huldigte er dem bayerischen Kurfürsten, was eigentlich eine „Todsünde“ für einen echten fränkischen Ritter war. Die Folgen ließen nicht lang auf sich warten: er wurde vom fränkischen Ritterorden entmündigt. Da Carl August Julius Otto sein Geld in diverse Theateraufführungen und Inszenierungen steckte war er 1829 pleite. In kurzer Zeit hatte er das Familienvermögen verjubelt. Er war außerdem drei Mal verheiratet.
Schließlich starb im Jahr 1908 der letzte direkte Nachfahre und 1845 die letzte derer „von Lichtenstein“.
Somit hat sich auch die Sage von Ludwig Pechstein von 1842 nicht bewahrheiten können, die besagt: Solange sich die Steine in der Burg nicht berühren, solange noch Licht in die Steine hineinscheinen kann, solange wird die Familie derer von Lichtenstein weiter bestehen.
Die Sonne kann zwar immer noch in die Steine hineinscheinen, doch das Adelsgeschlecht ist bereits ausgestorben.
Nach Altenstein und Lichtenstein schloss Günter Lipp seinen Vortrag mit den Rittern zu Raueneck.
Nach den Forschungen des Kreisheimatpflegers wurde 1213 der erste von Raueneck als Zeuge in einem Protokoll benannt.

Edelfreie Familie
Seit 1108 war eine edelfreie Familie auf der Bramburg, bei denen es sich um die gleiche Familie wie bei der „von Raueneck“ handeln musste. Lipp begründete das damit, dass  die Bramberger Edelfreien einst nach Raueneck gezogen waren und die Burg gebaut hatten.
Diese Burg schenkten 1231 zwei Brüder von Raueneck dem Würzburger Bischof, die sie dann als Lehen empfingen. 1378 hatte Dietz Marschalk von Lichtenstein die Burg wieder abgekauft. Seit 1476 diente die Burg dann als Sitz der Amtsmänner des Bischofs.
Mit dem Jahr 1550 endet auch die klare Linie der Familie von Raueneck. Mit dem letzten Ludwig von Raueneck erlischt scheinbar auch die Familie. Die Gräber in der Pfarrweisacher Kirche sind vorhanden, Belege fehlen jedoch, was bereits zu allerhand Spekulationen führte. So „endet es auf sonderbare Weise mit den Raueneckern“ musste Günter Lipp bekennen und bedankte sich bei Dr. Wolfram Berninger und Horst Ruhnau, mit deren Hilfe er seine Recherchen meistern konnte.

Mit einer Gänsehaut
Mit der Geschichte der Familie zu Raueneck endete auch der informative und gutbesuchte Gesprächskreis über die drei heimischen Burgen Altenstein, Lichtenstein und Raueneck. Geschichten mit ihrem eigenem Flair, Zauber aber auch unbelegten, heimischen Sagen, die bei Vielen noch Gänsehaut erzeugen. Geschichten, deren Erforschung Unmengen an Zeit und Engagement in Anspruch nehmen, was unbezahlbar und doch so wichtig ist. hu